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Teenage Sex and Death at Camp Miasma

112 minKomödie, HorrorFSK 16
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Nach Jahren liebloser Fortsetzungen und schwindender Fanbasis wird das Slasher-Franchise Camp Miasma einer ambitionierten jungen Regisseurin zur Wiederbelebung überlassen. Als sie den einstigen Star der Originalfilme besucht, eine mittlerweile zurückgezogen lebende Schauspielerin, die von Geheimnissen umgeben ist, geraten die beiden Frauen in eine blutgetränkte Welt voller Begehren, Angst und Wahnvorstellungen.

Schon der Titel von „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“ lässt jene Tropen des Slasher-Genres aufleben, die Filme wie „Freitag der 13. und dessen Derivate geprägt haben. Oft handeln sie von ausgelassenen Jugendlichen in Sommercamps, der High-School oder verlassenen Waldhütten, die ihre ersten sexuellen Erfahrungen sammeln, und dann von einem meist maskierten Serienkiller abgeschlachtet werden. Überleben wird höchstens das „Final Girl“, in entsprechenden Horrorfilmen oftmals die Jungfrau aus der Freundesclique.

Ein Reboot einer solchen verstaubten, für den Film von Jane Schoenbrun fiktionalisierten Slasher-Reihe soll die queere Filmschaffende Kris (Hannah Einbinder) konzipieren. Als sie dafür an den Originaldrehort von „Camp Miasma“ reist, um sich für ihr Drehbuch inspirieren zu lassen, ist sie ganz verzückt, so hat sie schon als 8-Jährige heimlich die Reihe auf VHS verschlungen.

Begehbarer Horrorfilm

Ab diesem Moment begeht Kris nicht nur räumlich den alten Horrorfilm, sondern auch durch ihre Gefühlswelten: Immer wieder wechselt die Inszenierung zwischen Realität und dem 1980er-Jahre-B-Movie, wobei die unterschiedlichen Bildwelten zunehmend ineinandergreifen. Vor allem, als sie auf das Final Girl des Originals trifft, die in der urigen Kulisse schon seit Jahren haust und sie mit einem gemächlichen Gang und der schattenwerfenden Krempe ihres Hutes wie in einem Film noir begrüßt. Kris wird von Billy Presley (Gillian Anderson), ihrer leicht verschrobenen, divenhaften Attitüde und ihrem derben Südstaatenakzent derart in den Bann gezogen, dass sie die „Femme Fatale“ prompt für die Hauptrolle ihrer Neuauflage verpflichten möchte.

Nicht nur deren Name klingt ähnlich wie die Hauptfigur der „Scream“-Reihe (Sidney Prescott, gespielt von Neve Campbell), generell sind Anleihen zu Klassikern des Slasher-Genres schnell gemacht. Man könnte vermuten, dass „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“ als Meta-Horrorfilm agiert, der die Mechanismen des Genres samt ihrer regressiven Rollenbilder dekonstruieren möchte. Diesen Ansatz scheint Schoenbrun bei der vierten Regiearbeit allerdings nie im Sinn zu haben. Hannah Einbinders Charakter nimmt das gar vorweg: Kris möchte sich der Filmreihe durch einen bewusst progressiven und wissenschaftlich grundierten Ansatz widmen. Immer wieder schiebt sie sich ihre Hornbrille zurecht, kommentiert kritisch den misogynen Tenor, als sie gemeinsam mit Billy den Originalfilm sichtet. Als Gegenpart haucht ihr die galant-humorvolle Schauspielern zu, dass es ausschließlich um Fleisch und Körperflüssigkeiten gehe.

Fleisch und Körperflüssigkeiten

In „I Saw the TV Glow“ widmete sich Schoenbrun mithilfe medialer Versatzstücke und eines bewussten Spiels mit popkulturellen Prägungen der Transitionserwachung eines Teenagers. Auch Owens (Justice Smith) eigene Entwicklung ist eng mit der Erinnerung an nächtliche Fernsehabende verknüpft. Hier nähert sich Schoenbrun durch die Ästhetik der Slasherfilme der 1980er-Jahre – mit alten Röhrenfernsehern, einer knisternden Tonspur sowie Neon- und Pastellfarben – einer neu entdeckten Intimität. Denn im Kern geht es tatsächlich um Sex und Tod, um ihre Verbindungen und Widersprüche. Billy Preston führt die zunächst unsicher und unschuldig wirkende Autorenfilmerin in diese Welt ein. Die beiden kommen sich näher, und vor allem Kris scheint durch das Eintauchen in eine Zwischenwelt aus B-Movie und Neuausrichtung ihr eigenes Körpergefühl neu zu entdecken. Eine sexuelle Offenbarung, die die verhandelten Genre-Elemente weder bekräftigt noch negiert, sondern sich vollends in ihnen niederlegt.

Als Kris und Billy blutübergossen im Convenience Store ihre liebsten Fruchtgummis im Einkaufswagen stapeln, offenbart das auch einen spielerischen Humor, der „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“ durchzieht. Stetig variiert der Ton – von einer gemütlichen „Sleepover“-Stimmung in schneebedeckter Umgebung bis hin zu vulgären Slasher-Szenen mit erratischen Bewegungen der Kamera von Eric Yue und dem dissonanten Synth-Sound von Alex G.

Seine transgressive Inszenierung und (alb-)traumhafte Zwischenwelt erinnern an David Lynch und „Mulholland Drive“, huldigt ihm gar mit dem gespenstischen Schauspielauftritt von Patrick Fischler. Schoenbrun verarbeitet Popkultur und bindet sie eng an die Entwicklung seiner Figuren; nicht umsonst entsteht schließlich ein neues Videoband. „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“ ist schwer zu greifen, flutet mit kontemplativen Bildwelten und droht dabei bisweilen, sich in seiner eigenen Radikalität zu verlieren. Das Spiel zwischen den beiden Protagonistinnen bleibt dabei stets verworren, düster, ehrlich und erotisch.

Einen kleinen Tod sterben

Die filmische Fusion mündet in einer schaurig-schönen Szene, in der Kris gewissermaßen zum Final Girl transzendiert. Verfolgt wird sie von „Little Death“ (Jack Haven), dem Lanze schwingenden Eisenkopf-Killer des Franchises. Emblematisch wird diese Verfolgung für den ganzen Film: Kris gibt sich dem Slasher hin, statt ihn neu definieren zu wollen, wird ihrer Kleidung entledigt und in Zeitlupe bewusst ihrer Körperlichkeit überlassen. Sex und Tod reichen sich die Hand. Auf Französisch beschreibt „une petite mort“, also „Kleiner Tod“/„Little Death“, nicht umsonst den Orgasmus.

Veröffentlicht auf filmdienst.deTeenage Sex and Death at Camp MiasmaVon: Felix Knorr (11.8.2026)
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