Vorstellungen
Filmkritik
Das Buch von Giovanni Guareschi, das die unglaublichen Abenteuer des Pfarrherrn Don Camillo im Kampf mit seinem Gegenspieler, dem kommunistischen Dorfbürgermeister Peppone, in so humorvoller Art zu schildern weiß" wurde als köstliches Bild des italienischen Lebensstils Von Ungezählten in aller Welt dankbar aufgenommen und mit Schmunzeln gelesen. In der gleichen Einstellung wie das Buch muß auch der Film, der die markantesten Szenen aus der Vorlage getreu überträgt, gewertet werden: als lächelnde Satire auf einen Ausschnitt italienischer Eigenart. Kenner der italienischen Volksseele versichern, daß hier Wesentliches zum Verständnis der kommunistischen Massen jenseits des Gotthards ausgesagt wird. Ein Großteil der kommunistisch Stimmenden hat sich in Italien, besonders auf dem Lande, viel weniger aus doktrinären, als aus sozial-wirtschaftlichen Erwägungen der Partei verschrieben. Der italienische Kommunist möchte zumeist weder gottlos sein noch auch als gehässig antikirchlich gelten. Er träumt viel weniger vom Sieg des internationalen Kommunismus als von wirtschaftlicher Besserstellung. Die graue Theorie läßt ihn überhaupt kühl, sobald es um echte menschliche Werte geht: über allem steht beim Mann von der Straße in Italien die Familie, das Kind. Man erwarte darum in "Don Camillo und Peppone" keine filmische Abhandlung über letzte geistige Auseinandersetzungen. Es geht um ein ganz anderes Anliegen menschlicher Art. Dies vorausgesetzt, folgt der Zuschauer mit wachsender Freude höchst belustigt den dramatischen Auseinandersetzungen zwischen den beiden Gegnern, die mit wechselndem Glück und ausgesprochener Schlauheit einander zuleide leben. Die Rollen sind ausgezeichnet besetzt; vor allem überrascht Fernandel in seiner Verkörperung des originellen, handfesten Pfarrers, der mehr auf seine Fäuste vertraut als auf die dialektische Schärfe seines Geistes. Wie weit allerdings der Film infolge einer gewissen, ungewollten "Verniedlichung" bei wenig kritischen Zuschauern über die tödliche Gefahr des Kommunismus hinwegzutäuschen vermag, ist eine andere Frage. Bei uns ist diese Gefahr wohl weniger akut als in andern Ländern. Hingewiesen sei noch auf einige weniger gefälligere Dialogstellen und die Beichtszene, doch beeinträchtigt dies den Gesamteindruck kaum.





