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Filmkritik
Der Found-Footage-Thriller „Cloverfield“ (fd 38 579) endete mit einem Richtung Kamera gierenden Alien-Schlund. Umklammert wurde der Camcorder von einer Gruppe junger Menschen, die sich in einen startenden Hubschrauber flüchtete. Acht Jahre später beginnt „10 Cloverfield Lane“ mit einer Flucht nach unten: Eine junge Frau, die hastig ihre Wohnung verlässt und aufgewühlt durch die Nacht fährt, kommt durch einen massiven Schlag von der Fahrbahn ab. Grelles Licht weicht schwarzer Bewusstlosigkeit, bis Michelle sich in einer Bunkerzelle wiederfindet. Was der menschlichen „Vorratskammer“ eines Psychopathen ähnelt, entpuppt sich bald als letzter Hort der Menschheit. Ein schwergewichtiger Mann namens Howard stellt sich als Retter und Gastgeber vor, der in dem unterirdischen Bunker noch einen jungen Mann namens Emmett behaust und keine Faxen duldet: Die Luft da oben sei verseucht und alle Menschen tot. Ob durch chemische oder atomare Waffen, wisse man nicht, doch die toten Schweine, die man durch eine Luke sieht, sprechen ebenso Bände wie die Blutspur an Howards Auto. Der Debütfilm von Dan Trachtenberg enthält über die Frage der Beurteilung von Freund und Feind noch viele Wendungen, die hier nicht verraten werden sollen. Außer der, dass sich der Mensch oft als des Menschen größtes Monster entpuppt, vor allem auf kleinstem Raum. Wo sich in „Cloverfield“ der von Handkamera eingefangene Zerstörungsraum einer Metropole eröffnete, setzt die lose Fortsetzung auf die Implosion eines kammerspielartigen Szenarios, in dem kleine Verdachtsmomente überlebenswichtig werden. Angesichts eines Mannes, der sich in der Erde verbuddelt, kommen Erinnerungen an Jeff Nichols’ „Take Shelter“ (fd 40 967) auf. Hier wie dort ist die proklamierte Bedrohung nicht zu verifizieren; Howards Überreaktion könnte dabei durchaus als Sinnbild für die sich abschottenden Wohlstandsgesellschaften des Westens verstanden werden. Allerdings geht es dem auf Effekte setzenden Film nicht um Gesellschaftsphilosophie, auch wenn sich mit der Bedrohung von innen noch ganz andere Bedeutungszusammenhänge erschließen lassen. Über Howard und das Außen erfahren Michelle und die Zuschauer zunächst nur das, was der junge Emmett preisgibt, der Howards abwesende Tochter kannte und rote Blitze auf der Erde aufscheinen sah, ehe er im Bunker verschwand. Wie „Cloverfield“ richtet sich die Fortsetzung an ein eher junges Erwachsenenpublikum, das Logikfehler anscheinend so umstandslos akzeptiert wie eine psychologisch eher flache Story. „10 Cloverfield Lane“ will Suspense auf kleinstem Raum, was im letzten Drittel besser gelingt, auch wenn die Inszenierung dafür eine andere Gangart einlegt und eine unpassende, weil auf eine weitere Fortsetzung abzielende Abzweigung nimmt. Wenn man bedenkt, dass das Sequel zunächst nicht als Fortsetzung von „Cloverfield“ angelegt war, sondern erst im Laufe der Produktion von J. J. Abrams in sein Universum inkorporiert wurde, spiegelt die Entstehungsgeschichte des Films in gewisser Weise seinen Inhalt: Verschluckt, könnte man auch sagen, wie vom Erdboden verschwunden.




